Wandbehang, Mitteldecke, Speistuch, Osterlamm

Inv.Nr. 270                                                                                                                                                                         1940er Jahre, Baumwollleinen, Garn, vielfältige Blaustickerei

Mit christlichen Symbolen bestickte Tücher haben eine lange Tradition. Waren sie früher nur für den kirchlichen Altar gedacht, kamen sie durch den Brauch in bürgerlichen Familien zu sticken auch in private Häuser: als Wandbehänge, in Herrgottswinkel, auf Hausaltäre.

Der Kreuzstich war besonders beliebt, doch geschulte Stickerinnen beherrschten vielerlei Arten von Sticktechniken, wie es bei diesem österlichen Tuch der Fall ist. Es zeigt das „Lamm Gottes“ (Agnus Dei), das sich vom liegenden Kreuz erhebt und die Auferstehung Jesu Christi symbolisiert. Der als Bildtitel gestickte Ausruf: „Seht das Lamm Gottes“ bezieht sich auf das Neue Testament /Johannes 1,29, wo es weiter heißt: „…, das die Sünden der Welt hinwegnimmt!“.

Das aufblickende Lamm und der Hostienkelch werden umrankt von Ähren (die für Brot /Leib Christi stehen) und Weintrauben (für Wein /Blut Christi).

Das österliche Tuch zeugt von der großen Vielfalt der Stickkenntnisse der Mutter der Spenderinnen, die diese Handarbeit vollbrachte. Sie arbeitete die Schrift im Plattstich aus, die Strahlen der Hostie wie auch andere Linien im Stielstich, die Ähren im Wickelstich. Beim Knauf von Kelch und Trauben wandte sie den Knötchenstich an, einen Hexenstich im liegenden Kreuz unter dem Lamm Gottes und die Füllung in den strahlenförmigen Blüten nähte sie im Bäumchenstich aus. Die Kreuze in der Ecke und die Weinblätter führt sie in einer Kettenstich-Variante (Zopf) aus. Gestickt wurde ausschließlich in Blau. Diese Farbe steht in der christlichen Religion für die Mutter Gottes. Geschenk von den Schwestern Christl Larcher und Elisabeth Artl, St. Georgen, 2010

Text u. Foto: Hiltrud Oman