Sigl·Haus

Sigl.Haus
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Das Museum Sigl·Haus

Beschreibung

Das Museum Sigl·Haus steht in der Nähe des Dechanthofes von St. Georgen bei Salzburg. Der mit einem geschwungenem Schopfwalmdach gedeckte, zweigeschoßige Mischbau wurde in den 1980er Jahren am jetzigen Platz neu errichtet, im Erdgeschoß mit Ytong aufgemauert (ursprünglich  Mischmauer aus Ziegeln und Tuffsteinen aus Kirchham bei Tittmoning) und verputzt. Der Blockverband des Obergeschoßes blieb im Originalzustand erhalten. Vier Fensterachsen und eine Hochlaube mit gebrochener Brüstung und seitlicher Verschalung prägen die Giebelfassade. Die mit Durchsteckgittern gesicherten Fensterstöcke sind im Erdgeschoß mit Fensterläden ausgestattet. Typisch für die Region ist die rundbogige Eingangstür mit dem hölzernen Torgewände, das ein Steinportal imitierend – mit Sockel – und Kämpfersteinen ausgestattet ist. Die ursprüngliche Bemalung blieb erhalten. Die Raumaufteilung des Mittelflurhauses erfolgt in Stube und Kuchl im Westen sowie Austragstübl und Kellerkammer im Osten. Die Kellerkammer war ein etwa 70-80 cm tiefer liegender Raum, in dem die Speisevorräte aufbewahrt wurden. Über der Stube lag die Stubenkammer und über der Kuchl die Kuchlkammer. Die Holztreppe, die zum Obergeschoß führt, wurde mit einer bis heute erhaltenen Treppenklappe verschlossen, um in der kalten Jahreszeit Wärme zu speichern. Über der Austragstube befand sich die „schene Kammer“, die entweder leer stand oder als Kinderzimmer genutzt wurde. Dahinter folgten die „Dirnakammer“. Im Fletzboden (=Diele im 1.Stock) war ein Bett für den Knecht aufgestellt. Im Oberhaus (=Dachboden) wurde das Getreide gelagert. Das Dach war früher mit Holzschindel gedeckt, die später durch Tonschindel ersetzt wurden.

Geschichte des Sigl·Hauses

Am 16. Juni 1835 entstand in Obereching durch eine Unachtsamkeit beim Böllerschießen zu Fronleichnam ein Großbrand, der sämtliche Häuser mit den Hausnummern 9-24 vernichtete. Darunter war auch das Sigl·Haus mit Nr.11, das neben der Oberechinger Kirche stand. Noch im gleichen Jahr bauten die damaligen Besitzer Johann und Elisabeth Erbschwendtner das Siglgut am heutigen Standort, am Dorfende Richtung St. Georgen, wieder auf. Auf Grund hoher Überschuldung mussten sie es im Jahre 1856 an den Gastwirt Franz Lang (später Duschlwirt) verkaufen. Zwischen 1856 und 1908 waren Grenzbeamte im Sigl·Haus untergebracht. Für sie wurde das obere Zimmer verschönert und das Obergeschoß verputzt.

Im November 1908 wurde das Siglgut (ca. 18 ha) von Andreas und Juliane Thalmaier (geb. Rosenstatter) um 16.000 Kronen vom Gastwirt Franz Lang gekauft. Ihnen folgten von 1928-1942 Georg und Maria (geb. Pabinger) Thalmaier. Nach dem frühen Tod des Georg wurde sein Georg II zusammen mit seiner Gattin Elisabeth (geb. Eder) von 1967 bis Ende 1999 Besitzer des Siglgutes. Seine Nachforschungen haben ergeben, dass das Siglgut wenigstens seit dem 17. Jahrhundert existiert. Seit 2000 gehört es Sohn Andreas.

Im Jahr 1980 fasste Georg Thalmaier den Entschluss, ein neues Wohnhaus zu errichten. Das alte Haus wurde von der Gemeinde St. Georgen unter Bürgermeister Franz Gangl sen. erworben, fachgerecht unter der Leitung von Matthäus Lang abgetragen und im Dechanthof deponiert. Nach der Gründung eines Proponentenkommitees um den damaligen Volksschuldirektor Hannes Miller für einen „Kulturförderungsverein St. Georgen“ 1982/83 wurde das Sigl·Haus an seinem heutigen Standort auf Pfarrhofgrund wieder errichtet und somit ein Platz für Kultur geschaffen. Das ehemalige und der Gemeinde letztes Holz-Bauernhaus im typischen Flachgauer Stil sollte ein Museum werden, sein Anbau im Osten ein Veranstaltungssaal mit darüber liegendem Musikproberaum. Von 1982 bis 2015 probte hier die etwa 50 MusikerInnen umfassende Trachtenmusikkapelle St. Georgen. Seit der Übersiedelung der Trachtenmusikkapelle in die neuen Proberäume können diese Räumlichkeiten nun ebenfalls zu Veranstaltungszwecken genutzt werden.

Im Jahr 2014 wurde der Anbau generalsaniert und eine neues Heizungssystem installiert. Nunmehr steht ein moderner Veranstaltungsraum mit anschließender Küche und Büro zur Verfügung.

Die Gründung des Museeums

1981 wurde zum Zweck der Wiedererichtung des Sigl·Hauses der „Kulturförderungsverein St. Georgen“ gegründet. Neben Finanzierungsberatungen und Planungen initiierte der KFV unter seinem ersten Obmann Adolf Hofmann und seiner Frau Cordula, damals wohnhaft im Rendl-Haus, Dichter-Lesungen, Film- und Liederabende, Maltage und Ausstellungen. Vierteljährlich erschien ein Informationsblatt des KFV, die „OFENBANK“, welche Hannes Miller mit wechselnden MitarbeiterInnen gestaltete.

Am 26. Oktober 1983 wurde das Museum von Dechant Heinrich Roither unter Anwesenheit von Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer, Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Herbert Moritz, Bezirkshauptmann Dr. Fritz Goldenstein und Bürgermeinster Franz Gangl sen. feierlich eröffnet. In der darauffolgenden „1. Kulturwoche“ hielt der Archäolog Dr. Fritz Moosleitner einen Vortrag über „Ausgrabungen im Gemeindegebiet von St. Georgen“. Damals fand auch der „1. Bauernmarkt“ der Bauernschaft St. Georgen im und vor dme Sigl·Haus statt, den 19 Bauern beschickte! Er lief bis 2001 und war das Pioniermodell des späteren, im ganzen Salzburger Land praktizierten „Bauernherbst“, wo heimische Hofspezialitäten neben Kunsthandwerk und Wollprodukten von eigenen Schafen angeboten wurden.

1986 folgte Gregor Pieringer als Obmann nach, mit dem Ziel, jeden Monat eine Veranstaltung abzuhalten. Seminare, z.B. mit Kräuterpfarrer Weidinger, der dreimal Gast im Sigl·Haus war, mit der Schamanin Ephigenia Barrientos, Wasser- und Bachblütenseminare, Kräuterexkurisonen zogen viele Besucher an. Neben dem Kindertheater gab es das Weihnachtssingen, Kurse zum Hinterglas-Malen oder Metzgertaschen-Nähen, zum Heimatabend „Drent und herent“ wurde geladen (im übrigen zuletzt 2008 im Rendl-Haus, organisiert vom Salzburger Bildungswerk), ebenso zu „Salzburger Stierwascher“, „Muckenstrunz und Bamschabl“ oder „Dullamans Vrouidenton“.

Ab 1987 gab es feste Öffnungszeiten für das Heimatmuseum.

In den Jahren 1998 bis 2001 führte Hermann Seidl den Bildungs- und Brauchtumsauftrag des Museumsvereins weiter. Ein Hauptaugenmerk wurde auf das „Alte Handwerk in der Gemeinde“ (Weber, Rechenmacher, Zauner, Schuster, Wollspinnerei) gerichtet, Hobbykünstler aus St. Georgen und Umgebung hatten Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzustellen. Zur Publikumsattraktion wurde die Sonderausstellung „Höllerer See“, in der alles Lebendige aus diesem erlebenswerten Gewässer origniell und aufwändig zur Schau gestellt wurde. Neben Traktor-Oldimter Treffen waren frühere, heute vom Aussterben bedrohte Haustierrassen das Thema in Ausstellungen.

Der bis heute gediehende Kräutergarten wurde damals aktiviert, auch kleine, bauliche Veränderungen (Außentreppe u.a.) wurden umgesetzt.

Ab 2002 sorgte Kustodin und Kuratorin Dr. Hiltrud Oman aus Bürmoos, eine gebürtige Kärntnerin, für jährliche Sonderausstellungen mit Rahmenprogramm.

Die Sammlung

Die Sammlung spiegelt in ihrer Zusammensetzung die Bereiche des täglichen Lebens von St. Georgen und nächster Umgebung. Bauernhöfe und landwirtschaftliche Betriebe prägen bis heute das Bild einzelner Ortschaften und Weiler der Gemeinde St. Georgen. Dem entsprechend wurde mit dem Sammeln von bäuerlichem, aber auch handwerklichem Kulturgut begonnen.

Die Ursprünge der heimatkundlichen Sammlung gehen auf den aus Winzendorf bei Wiener Neustadt stammenden, engagierten Lehrer und späteren Direktor der Volksschule Eching Hannes Miller zurück. Seine Sammelleidenschaft legte er ab Anfang der 1960er Jahre an den Tag, mit der Vision, die heimischen Schätze eines Tages in einem örtlichen Museum zu beherbergen. Die angesammelten Objekte – teils Schenkungen, teils Ankäufe -, wurden im Dachboden der Echinger Volksschule bis zur Eröffnung  des Heimatmuseums zwischengelagert. Später richtete Kustos Hannes Miller mit Freunden und Helfern aus der Gemeine St. Georgen das Museum ein. Georg Thalmaier (vulgo Sigl Schorsch) setzte das Sammeln in Leiterfunktion ab ca. 1985 fort. Unter Kustos Gregor Pieringer (ab 1988) wuchs die Sammlung beständig und gelangte zu dem nach ihm kaum erweiterten Etat an Ackerbau- und Getreideverarbeitungsgeräten aus der Vergangenheit. Verhältnismäßig groß angelegt ist die Sammlung zur Flachsverarbeitung. So manche St. Georgener Bäueri widmete sich dieser ab und an gesellig verlaufenden Tätigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Flachs brechelt man auch im heutigen Rendl-Haus, unweit des Museums Sigl·Haus. Das um 1900 errichtete Rendl-Haus war ursprünglich ein Brechelbad.

Außer den Flachsverarbeitungsgeräten finden sich verschiedene Modelle von Holz- und Eisen-Pflügen, mehrere Kornfegen, Leiterwagen, Kummete, ein Maisstampfer, Butterfass, diverse Werkzeuge zur Dorfgewinnung, handgeschnitzte Rechen und Heugabeln, Körbe, auch viele praktische Alltagsgegenstände aus ländlichen Haushalten (Petroleumlampen, metallenen Wärmflaschen, Nachttöpfen, Leibstuhl, Bett und Wiege, Truhen, Rodeln, Skier, Nähmaschinen, gusseiserne Bügeleisen, Steinzeugflaschen, Geschirr, Bücher, Gebetsbücher, und vieles andere mehr.

Ein Herzstück dieses Bestandes stellt beispielsweise die Schusterwerkstätte dar. Sie stammt vom „Spitzauerschuster“ sen. in Obereching. Dieses Handwerk wurde über drei Generationen in dieser Familie ausgeübt. Ihr Zubehör ist komplett, von der typischen Nähmaschine, Ahle, Schusterraspel, bis zu Kneipp, Schusterleisten, Schusterpech, den Holznägel für Schuhdoppler und Stiefelhalter.

 

Quellen:

Broschüre „Museum Sigl·Haus“, herausgegeben vom Kulturförderungsverein / Museum Sigl·Haus, 2009, Texte von Dr. Hiltrud Oman und Fr. Petra Aster, SIR Salzburg

Kulturkatalog St. Georgen bei Salzburg, hggv,v, Salzburger Instistut SIR,,

„ad georgii ecclesiami“. Heimatchronik von St. Georgen, verfasst von Hannes Miller, 1989